
Wenn wir wüssten.
Dann wäre es leicht.
Könnten wir einander ruhig in die Augen sehen.
Wenn wir wüssten,
dann wäre es leicht,
einfach stumm neben einander her zu gehen.
Wenn wir es nur ahnten,
zwischen den Sekunden,
die uns versuchen hinterher zu rennen,
zwischen den Zufällen,
die uns das Schicksal schickt,
die wir so mühevoll verpassen.
Wenn wir es nur ließen,
wie es werden soll,
und nicht davon rannten,
uns nicht im richtigen Moment ducken würden.
Wenn wir uns sicher wären,
von jetzt auf hier,
von dann auf wann.
Uns nicht den Fragen verkaufen würden,
und den Skeptikern.
Wenn wir warteten voller Güte und Geduld.
Wenn wir uns nicht schämten für Gefühle,
für Leid und Tränen,
wenn uns zeigten wer wir sind.
In Liebe und nicht in Furcht.
Und uns bei den Händen nähmen,
ohne zu denken,
einfach fühlten.
Und wenn wir lauschten,
was wir sagen wollen,
statt was wir sagen,
und uns todesmutig hineinstürzten würden,
in Zuversicht und Vertrauen,
trotz all dem Scheitern.
Wenn wir es einfach zuließen,
dass es uns beflügelt,
uns schweben lässt,
bis an den Rand der Welt,
uns die Luft zum Atmen nimmt,
wenn wir unserer Seele freien Lauf ließen,
und nur wahre Worte sprächen.
Wenn wir wieder glauben würden.
Wenn wir wieder lieben könnten.
Wenn wir wieder suchen würden.
Dann würden wir uns finden.
Und gemeinsam die Angst besiegen.
(Mona Heyenrath)


Die Luft ist weich,
der Klang ganz sanft,
der Wind er tanzt um meine betonschweren Beine,
die meine Schutzhülle nicht mehr tragen möchten.
In festen Schuhen.
Und doch so allein.
Treibt mein Körper durch die Mengen.
Alle hier erfroren in eigener Vernunft.
Sie lachen nicht mehr,
sie spielen nicht mehr.
Tanzen nicht mehr.
Sie haben vergessen, wie es schmeckt
zu leben.
Ich sehe ihnen zu,
ich habe mich sicher gerüstet,
und versuche zu lächeln.
Entgegen aller skeptischen Blicke,
entgegen aller Pessimisten.
Realisten.
Gescheiterten Herzen.
Ich mache einen Knicks vor dem Mann,
der durch seine Geige Leben in die Straße träufelt
und träume mich heimlich davon.
Ich schließe die Augen.
In einem Moment.
Voller Sekunden.
Habe ich sie wieder gesehen.
Habe ich sie gespürt.
Die Magie.
Das Wunder.
Und ich lächle standhaft gegen all die,
die hinter meinen geschlossenen Augen,
Fragen stellen.
Die mich für verrückt halten.
Ein Hoch auf die Ver-rückten.
Auf die Liebe.
Die Lebendigkeit.
Irgendwo weit entfernt von meinem Frieden schallt die Turmglockenuhr
ihr Gebet an die Zeit.
Und ich öffne die Augen.
Und sehe Zwei tanzen.
Sich anlachen.
Sie scheinen sich zu lieben.
Einfach so.
Als wäre es das Leichteste der Welt,
dieses Glücklich sein.
Dieses "Zueinander passen"
Sie lassen es zu,
dem Risiko zum Trotz,
lassen sie zu, dass die Fantasie ihnen Flügel verleiht
und die Liebe ihre warmen Arme um sie legt.
Sie sind ganz wach.
Und teilen sich.
In tausende Teile,
auf das Grau der Stadt.
Und erzählen leise die Geschichte der Hoffnung,
die niemals sterben darf.
Das es für dich ein ich gibt.
Und für mich ein dich.
Und das wir uns finden,
an einem ganz normalen Tag.
(Mona Heyenrath 2020)